Exkursion Kindlesbrunnen Beeghof 2019

Am 2. August 2019 veranstaltete das Bürgerforum Wörnitztal mit Zukunft – Allianz für eine lebenswerte Heimat e.V. seine traditionelle heimatgeschichtliche Wanderung. Ziel war in diesem Jahr der Kindlesbrunnen bei Beeghof, direkt an der bayrisch-württembergischen Grenze zwischen Schnelldorf und Elrichshausen. Dieser einst mythenumwogte Ort, im Volksmund auch Teufelsbrunnen genannt, geriet in der Hektik der modernen Zeit etwas in Vergessenheit. Das Bürgerforum wollte nun mit Hilfe eines ortskundigen Experten an genau diese Geschichte mit ihren Sagen erinnern.

Treffpunkt der Exkursion war der Wanderparkplatz unterhalb des Beegbergs. Von dort machten sich die gut sechzig Teilnehmer auf zum über der Ortschaft Beeghof gelegenen Kindlesbrunnen. Auf dem rund 45-minütigen Weg wurden die Besucher nicht nur durch einen beeindruckenden Blick ins Tal auf Kressberg belohnt, sondern erfuhren von Helmut Altreuther, dem Geschäftsführer der Kreisgruppe Bund Naturschutz Ansbach, allerlei Interessantes zur Fauna der am Wegesrand liegenden Magerwiesen, die, aufgrund der Steillage landwirtschaftlich uninteressant, ihre Eigenarten und vielfältigen Lebensräume bewahren konnten. Am mit Naturstein eingefassten Kindlesbrunnen führte dann Reinhold Beck, der lange Jahre Ortssprecher von Elrichshausen war, in die geologische, geographische sowie mythologische Geschichte des Ortes ein. Auf der Europäischen Hauptwasserscheide gelegen, war der Ort häufigen territorialen Wechseln unterzogen, was sich heute noch in der verwinkelten Grenzziehung zwischen Bayern und Baden-Württemberg widerspiegelt. Gebaut wurde der Brunnen seinerzeit wahrscheinlich von einem Grundherrn, um Waldarbeiter und Jäger mit Wasser zu versorgen, genau sei dies aber nicht überliefert. Allerdings habe der abseits im Wald, auf einem Berggipfel gelegene Brunnen nie der Wasserversorgung eines Ortes oder Gehöftes gedient. Schnell wird den Teilnehmern klar, warum dieser Ort Anlass zu Geschichten gab. Versteckt zwischen alten Buchen, strahlt diese Stelle eine besondere Atmosphäre aus. Der Mythologie folgend, sollen in der Vergangenheit Frauen, deren Kinderwunsch unerfüllt geblieben war, diesen Ort aufgesucht haben, um mit der Natur Kontakt aufzunehmen und um Fruchtbarkeit zu bitten – eine Tradition, die nicht überrascht, da Brunnen als Wasser- und damit Lebensspender, die der Urgewalt der Erde entspringen, bereits in heidnischer Zeit Symbole für Fruchtbarkeit darstellten. Frühneuzeitlich interpretierten Eltern, die die Aufklärung ihrer Kinder umgehen wollten, diesen Glauben in die Geschichte um, dass der Storch hier die Kleinen aus dem Wasser holen und dann zu ihren künftigen Familien bringen würde. Einsam und abgelegen eignete sich dieser Ort sicher besonders gut für solche Geschichten. Die Bezeichnung Teufelsbrunnen entspringt dagegen einer lokalen Sage, dass der Teufel, der wieder einmal seiner renitenten Großmutter nachjagen musste, die ohne seine Erlaubnis auf Erden Unfug trieb, diese in der Nähe erwischt hätte und an der Stelle des Teufelsbrunnens mit ihr wieder in die Hölle gefahren sei. Auch hier liegt wohl der alte Volksglaube zugrunde, dass Höhlen und Brunnen einen Pfad zur Unterwelt eröffnen.

Der Eindruck des Ortes, der Abgeschiedenheit und Ruhe vermittelt, wird nur vom kläglichen Zustand des Brunnens und des direkten Umfeldes getrübt. Überwachsen und verschlammt präsentiert sich der Kindlesbrunnen seinen Besuchern. Ortskundige verweisen darauf, dass man dem zuständigen Forstamt Feuchtwangen schon mehrfach angeboten habe, den Ort in unentgeltlicher Eigenleistung herzurichten, dieses Ansinnen aber bislang immer auf Ablehnung gestoßen sei. Ein bedauerlicher Umstand, da dieser Fleck wirklich etwas Besonderes ist.

Nach all den Eindrücken und Geschichten lud Emil Fetzer stellvertretend für das Bürgerforum Wörnitztal mit Zukunft die Teilnehmer noch zu einem Imbiss, regen Gesprächen und einem geselligen Beisammensein ein. Alles in allem war diese gelungene Veranstaltung ein weiteres Highlight in der Erschließung von Orten unserer Heimat, die ansonsten drohen, in Vergessenheit zu geraten.

Dr. Herbert Sirois

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