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Schlossbergwanderung 2026

PRESSEMITTEILUNG

Geschichte, Heimat und Zukunft: Schlossbergwanderung des Bürgerforums Wörnitztal mit Zukunft – Allianz für eine lebenswerte Heimat e.V.  in Unterampfrach

UNTERAMPFRACH – Zu einer ebenso informativen wie gut besuchten Schlossbergwanderung hatte das „Bürgerforum Wörnitztal mit Zukunft – Allianz für eine lebenswerte Heimat e.V.“ am vergangenen Freitagabend nach Unterampfrach eingeladen. Rund 95 geschichts- und heimatinteressierte Bürgerinnen und Bürger, darunter viele Einheimische, machten sich vom Treffpunkt am Sportplatz aus auf eine spannende Spurensuche durch die Historie des Ortes.

Der 1. Vorsitzende des Bürgerforums, Gerhard Binder, zeigte sich bei seiner Begrüßung überwältigt vom großen Zuspruch. In seinen einleitenden Worten betonte er, dass der Abend primär der Erkundung der eigenen Heimat gewidmet sei, versäumte es jedoch nicht, auch aktuelle regionalpolitische Entwicklungen anzusprechen. Wie ein Damoklesschwert hänge das Projekt „InterFranken“ nun schon seit 25 Jahren über dem Wörnitztal. Binder kritisierte, dass der von acht Gemeinden getragene Zweckverband weiterhin jährlich über eine Millionen Euro aufwende, um das ökonomisch wie ökologisch fragwürdige Projekt aufrechtzuerhalten, unterstützt vom neu gewählten Landrat. CSU, Freie Wähler und SPD hätten hier weite Teile der lokalen Politik in eine planungstechnische Sackgasse manövriert.

Umso mehr freute sich Binder, für den anschließenden historischen Teil mit Gerhard Meier einen ausgewiesenen Kenner der Heimatgeschichte gewonnen zu haben. Der gebürtige Unterampfracher und versierte Regionalforscher nahm die Teilnehmer mit auf eine lebendige Zeitreise. Er verwies auf die lange Tradition seines Heimatdorfes, das 1299 erstmals urkundlich erwähnt wurde, als Lupold von Weiltingen seine zweite Ehefrau Margareta mit den Dörfern Ober- und Unterampfrach für den Verkauf ihrer Mitgift entschädigte. Heute zählt der Ort rund 500 Einwohner, eine Zahl, die sich historisch gar nicht so stark verändert hat. Der Unterschied: Bis zum Zweiten Weltkrieg war Unterampfrach ein klassisches Bauerndorf, in dem praktisch jedes Haus ein Bauernhof mit mindestens einer Kuh war.

Die Route der Wanderung führte die Gruppe zunächst zur Steinernen Brücke über den Katzenbach, die ursprüngliche Ampfrach, bevor diese einst zur Befüllung des Burggrabens und für die Dorfmühle umgeleitet wurde. Vor dem ehemaligen Burggraben, von den Einheimischen traditionell „Schuuutz“ genannt (wahrscheinlich abgeleitet vom Begriff ‚Schutz‘), bot sich ein idyllischer Blick auf das Areal der einstigen Burg. Von dem Rittersitz der Herren von Schaden, nachweisbar ab 1335, der in seiner Blütezeit aus einer Haupt- und einer versorgenden Vorburg bestand, ist heute nur noch ein geschütztes Bodendenkmal erhalten. Die Steine wurden im Laufe der Jahrhunderte für den Hausbau im Dorf genutzt; Reste der Grundmauern seien laut Zeitzeugen noch bis 1925 zu sehen gewesen.

Weiter ging es vorbei an der alten Dorfmühle, die bereits im 15. Jahrhundert Erwähnung fand. Besonderes Erstaunen rief die Geschichte einer hölzernen Wasserleitung hervor: Bereits 1597 beurkundet, führte diese 700 Meter lange Anlage aus 175 gebohrten Baumstämmen („Deicheln“), die mit Metallmuffen verbunden waren, von den Löhleinwiesen über „Ampfri“ zur Mühle. Das beeindruckende Bauwerk funktionierte noch bis ins Jahr 1925.

Nächster Halt waren die ehemaligen Amtshöfe, die einst den Vögten als Wohn- und Dienstgebäude dienten und mit Braustatt sowie Brennrecht ausgestattet waren. Meier merkte mit einem Schmunzeln an, dass die Unterampfracher historisch stets ein trinkfreudiges Volk gewesen seien, weshalb die ehemals vier Gasthäuser im Ort lange Zeit gut existieren konnten.

Über das sogenannte „Gängerle“ gelangte die Gruppe schließlich zur ortsbildprägenden Kirche. Ursprünglich 1479 als Kapelle zu Ehren des heiligen Sebastian, dem Schutzheiligen gegen Pest und Viehseuchen, und Veit, zuständig für die Abwehr von Feuer, Gewitter und Besessenheit, erbaut, wurde das Gotteshaus nach der Reformation 1578 erweitert und nach einer Sanierung 1722 nochmals ausgebaut. Mit ihrer für Franken ungewöhnlichen Architektur gilt die Kirche bis heute als fest verankertes Wahrzeichen im Bewusstsein der Dorfbevölkerung.

Zum gemütlichen Abschluss kehrte die Wandergruppe im Garten der historischen Schmiede der Familie Schreiber ein. Das mit dem Hausnamen „Endlasschmied“  belegte Anwesen wurde von den Eigentümern mit viel Liebe zum Detail vor dem Verfall gerettet und steht heute exemplarisch dafür, wie historisches Erbe bewahrt und zugleich modern genutzt werden kann.

Bei Speis und Trank saßen die Teilnehmer nach dem einhelligen Dank an Referent Gerhard Meier noch lange zusammen. Es wurde ausgiebig über Geschichte, Anekdoten und aktuelle Politik debattiert, ein rundum gelungener Abend im Zeichen einer lebendigen Dorfgemeinschaft.